ADHS

Was ist eigentlich ADHS?

ADHS ist die gegenwärtige diagnostische Bezeichnung für Kinder, die erhebliche Probleme mit der Aufmerksamkeit aufweisen, verbunden mit einem Mangel an Ausdauer bei Aufgabenstellungen und anstrengenden Beschäftigungen, und die typischerweise Probleme haben mit Impulsivität und unangemessen hoher Aktivität, die in unterschiedlichen Situationen wenig abgewandelt ist.

Kinder mit ADHS stellen eine ziemlich ungleichartige Gruppe dar, die beträchtliche Unterschiede aufweist im Schweregrad bzw. in der Ausprägung ihrer Symptome, im Alter des Beginns der Symptome, in dem Auftreten dieser Symptome über verschiedene Situationen hinweg und in dem Ausmaß, in dem andere Störungen zusammen mit ADHS auftreten.

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (AD/HS), auch Hyperkinetisches Syndrom (HKS) genannt, sind seit 1992 bzw. seit 1982 in den internationalen diagnostischen Klassifikationssystemen ICD und DSM enthalten. Um dort Aufnahme zu finden, muss eine psychiatrische Störung zum einen wissenschaftliche `Evidenz` (gestützt auf wissenschaftliche und objektive Belege) und zum anderen zumindest `klinische Validität` (Gültigkeit) aufweisen. Genauer gesagt besitzt eine Störung klinische Validität, wenn ihre Störungsanteile statistisch (vorgeschriebene statistische Berechnungen) eng zusammenhängen, wenn die mit ihr diagnostizierten Personen beeinträchtigt sind in den wichtigen Bereichen des täglichen Lebens und Hilfe brauchen, wenn die Störung auf Behandlung anspricht und bedeutungsvolle äußere Entsprechungen hat, also z.B. mit familiären oder biologischen Forschungsergebnissen zusammenhängt. Weltweit stimmen die in diesem Bereich forschenden namhaften Wissenschaftler darin überein, dass ADHS neben einer guten klinischen Validität auch eine sehr starke wissenschaftliche Evidenz besitzt.

Klinische Validität erfordert also, dass es eine wissenschaftlich akzeptierte Evidenz dafür geben muss, dass diejenigen, die unter einer Störung leiden, ein ernsthaftes Defizit oder einen Defekt in einem körperlichen oder psychischen(Denken, Fühlen, Verhalten) Mechanismus aufweisen, der sonst bei allen Menschen - unabhängig von ihrer Kultur - ausgebildet wird. Und es muss auch genauso wissenschaftliche Evidenz bestehen, dass dieses ernste Defizit dem Individuum Leid zufügt, d.h. mit erhöhter Sterblichkeit, Krankhaftigkeit oder Beeinträchtigung in den hauptsächlichen Lebensaktivitäten der jeweiligen Entwicklungsstufe verbunden ist.

Es ist keine Frage bei den weltweit führenden klinischen Forschern, dass ADHS ernsthafte Ausfälle bei einer Reihe von psychischen Fähigkeiten mit sich bringt, und dass diese Ausfälle ernsthaftes Leid bei den meisten Individuen, die diese Störung haben, verursacht. ADHS führt zu Beeinträchtigungen in den hauptsächlichen Lebensaktivitäten, inklusive sozialer Beziehungen, Schulbildung/Ausbildung, familiären Funktionierens, Selbständigkeit und Befolgen sozialer Rollen, Normen und Gesetze. Der Erkenntnisstand zeigt auch, dass Menschen mit ADHS anfälliger sind für körperliche Verletzungen und Unfälle. Daneben treten bei ADHS auch in einem erhöhten Ausmaß andere psychiatrische Störungen auf wie Entwicklungsverzögerungen und Koordinationsstörungen, Sprachstörungen, umschriebene Entwicklungsstörungen im Lesen und Rechnen, Störungen des Sozialverhaltens, Depressionen und Angststörungen.

In einer 2004 veröffentlichten Studie von Lahey und Kollegen (Universität Chicago) wiesen nahezu alle der hier untersuchten 255 Vier- bis Sechsjährigen mit einer ADHS-Diagnose auch 3 Jahre später noch immer Kriterien für eine ADHS-Diagnose auf. Eltern, Lehrer und Kliniker (Ärzte, Psychologen) berichteten über fortgesetzte Beeinträchtigungen dieser Kinder über die Zeit hinweg. Das Weiterbestehen von schulischen, sozialen und Verhaltens-Problemen, in den Lehrerberichten zu finden, war besonders alarmierend, weil die verschiedensten Lehrer die Beeinträchtigungen jedes Jahr wieder von Neuem beschrieben, auch wenn sie in Bezug auf die Diagnose 'blind' waren, d.h. von ihr nichts wussten. Bei frühem Einsetzen der ADHS-Störung (Diagnose im Vorschulalter) konnten schlechtere Schulleistungen in späteren Schuljahren, inklusive übergreifender akademischer Schwierigkeiten, schlechtere kognitive Fertigkeiten sowie niedrigere Lesefertigkeiten in der Adoleszenz festgestellt werden, wenn die Kinder im Alter von 12 Jahren wieder untersucht wurden. Ironischerweise bestand die größte Barriere der Eltern dafür, dass sie für die ADHS-Probleme ihres Vorschulkindes keine Hilfe suchten in der Überzeugung, dass sich die Symptome mit der Zeit auch ohne Behandlung vermindern würden.

Es geht also bei dem Störungsbild ADHS keineswegs darum, dass Eltern, Erzieher, Lehrer ein unruhiges oder unaufmerksames Verhalten bestimmter Kinder nicht ertragen können oder diese Kinder sich schlecht in die Familie oder Gruppe einbinden lassen, sondern es steht das Erreichen der sog. Entwicklungsmeilensteine dieser Kinder auf dem Spiel und damit die gesamte Entwicklung.